Hunde sind von Natur aus Jäger, aber mit der richtigen Anleitung können Sie das Jagdverhalten Ihres Hundes effektiv lenken. Hier sind einige nützliche Tipps, die Ihnen helfen können:
Jagdverhalten gehört zu den evolutionär ältesten Funktionskreisen des Hundes. Es ist tief in seiner Biologie und Neuropsychologie verankert – unabhängig davon, ob ein Hund jemals jagen musste. Viele Halter:innen erleben jedoch Schwierigkeiten, sobald der Hund bei Wildkontakt nicht mehr ansprechbar ist oder sogar losrennt. Dieser Artikel erklärt die Hintergründe wissenschaftlich fundiert und zeigt, was wirklich hilft.
Jagdverhalten entsteht aus der sogenannten Beutefang- oder Predatory Sequence. Sie besteht aus mehreren, genetisch verankerten Funktionsmodulen:
Orientieren
Fixieren
Anschleichen
Hetzen
Packen/Zubeißen
Töten
Zerlegen/Fressen
Je nach Hunderasse sind bestimmte Elemente stärker oder schwächer ausgeprägt. Während Hütehunde z. B. vor allem fixieren und hetzen, zeigen Terrier häufig verstärkte Endsequenzen wie Packen und Schütteln.
Durch jahrhundertelange Selektion wurden bestimmte Sequenzen bewusst gefördert. Das erklärt, warum manche Hunde kaum Interesse an Wild zeigen und andere schon beim Rascheln aufmerksam werden.
Jagdverhalten wird u. a. gesteuert durch:
Dopamin (Belohnungssystem: Erwartung & Kick beim Hetzen)
Bewegungsreize (flüchtende Tiere lösen automatisch Jagdmuster aus)
Erregungsniveau des Hundes
Kontextlernen (bestimmte Wege oder Felder werden mit Jagderfolg verknüpft)
Beutereize sind so stark belohnend, dass sie oft alle anderen Motivationen überlagern – inklusive Futter oder sozialer Bindung.
Geräusche, Gerüche oder Bewegungsreize werden schnell zu Auslösern für Jagdverhalten.
Beispiel: Rascheln → sofortige Erregung → Fixieren → Loslaufen.
Jede Form von „Erfolg“ – selbst Orientieren oder Fixieren – verstärkt das Verhalten.
Der Hund lernt: „Wenn ich hingucke oder hinterher renne, fühlt sich das gut an.“
Junge Hunde orientieren sich an Artgenossen oder Menschen. Jagdverhalten kann dadurch erlernt oder verstärkt werden.
Gefährdung von Wildtieren
Unfallrisiko für Hund und Menschen
erhebliches Stresspotenzial
fehlende Kontrolle
gesetzliche Vorgaben (Leinenpflicht, Wildschutz)
Die wichtigste Sicherheitsmaßnahme. Der Hund hat Bewegungsspielraum, aber kein Jagderfolg ist möglich.
Zunächst in Gebiete ausweichen, in denen keine oder wenig Wildtiere aktiv sind.
Rituale (Startsignal, Blickkontakt, kurze Aufgaben) reduzieren Reizsuche und fördern Bindung.
Nicht Action, sondern:
Nasenarbeit
ruhige Futtersuchspiele
Denksport
Impulskontrollübungen
Frustrationstoleranz
Dauer-Action stärkt Jagdmotivation häufig zusätzlich.
Training funktioniert nur unterhalb der Reizschwelle.
Ein frühzeitiger Blick zum Menschen verhindert, dass die Sequenz startet.
Mit Markertraining, hoher Belohnung und kleinschrittigem Üben.
Beispiele:
Rückorientierung
Targetarbeit
Feldsuche
Stoppsignal
Diese Verhaltensketten setzen an, bevor der Hund losrennt.
Mit Distanz, Dummies, Wildgeruch und später echten Wildreizen – immer so, dass der Hund ansprechbar bleibt.
Training auf verschiedene Orte, Wildarten, Tageszeiten übertragen.
Das ist biologisch nicht möglich. Man kann nur steuern, kanalisieren und kontrollieren.
Jagdverhalten ist nicht hormonell gesteuert. Die Studienlage zeigt: Kastration hilft nicht.
Jagdverhalten ist ein hochautomatisches System – kein Ungehorsam.
Jagdverhalten ist ein natürlicher, genetisch verankerter Bestandteil des Hundeverhaltens.
Mit einem klar strukturierten Mix aus Management, Impulskontrolle, Alternativverhalten und kontrolliertem Reiztraining können Hunde lernen, trotz Wildreizen ansprechbar zu bleiben. Die Arbeit lohnt sich – für die Sicherheit deines Hundes, für den Naturschutz und für eure gemeinsame Beziehung.
Wenn du Unterstützung beim Anti-Jagd-Training möchtest, melde dich gern für ein kostenloses Erstgespräch bei No Problem Dogs!
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