Mein Hund jagt - was kann ich tun?

Tipps, um das Jagdverhalten Ihres Hundes zu kontrollieren

Hunde sind von Natur aus Jäger, aber mit der richtigen Anleitung können Sie das Jagdverhalten Ihres Hundes effektiv lenken. Hier sind einige nützliche Tipps, die Ihnen helfen können:

 

  • Verstärken Sie zuverlässige Rückrufkommandos: Üben Sie regelmäßig mit Ihrem Hund, um sicherzustellen, dass er bei Ihnen bleibt, auch wenn etwas Interessantes in der Nähe ist.

 

  • Bieten Sie geistige und körperliche Auslastung: Beschäftigen Sie Ihren Hund mit Spielzeug, Denkspielen und ausreichend Bewegung, um Langeweile und unerwünschtes Jagdverhalten zu reduzieren.

 

  • Positive Verstärkung: Belohnen Sie Ihren Hund für das Ignorieren von bestimmten Reizen und das Befolgen Ihrer Anweisungen.

 

  • Professionelle Hilfe suchen: Wenn das Verhalten Ihres Hundes schwierig zu kontrollieren ist, könnte es hilfreich sein, einen erfahrenen Trainer zu Rate zu ziehen.

Mein Hund jagt – was kann ich tun?

Jagdverhalten gehört zu den evolutionär ältesten Funktionskreisen des Hundes. Es ist tief in seiner Biologie und Neuropsychologie verankert – unabhängig davon, ob ein Hund jemals jagen musste. Viele Halter:innen erleben jedoch Schwierigkeiten, sobald der Hund bei Wildkontakt nicht mehr ansprechbar ist oder sogar losrennt. Dieser Artikel erklärt die Hintergründe wissenschaftlich fundiert und zeigt, was wirklich hilft.


Was ist Jagdverhalten?

Jagdverhalten entsteht aus der sogenannten Beutefang- oder Predatory Sequence. Sie besteht aus mehreren, genetisch verankerten Funktionsmodulen:

  • Orientieren

  • Fixieren

  • Anschleichen

  • Hetzen

  • Packen/Zubeißen

  • Töten

  • Zerlegen/Fressen

Je nach Hunderasse sind bestimmte Elemente stärker oder schwächer ausgeprägt. Während Hütehunde z. B. vor allem fixieren und hetzen, zeigen Terrier häufig verstärkte Endsequenzen wie Packen und Schütteln.


Verhaltensbiologische Grundlagen

Die Rolle der Genetik

Durch jahrhundertelange Selektion wurden bestimmte Sequenzen bewusst gefördert. Das erklärt, warum manche Hunde kaum Interesse an Wild zeigen und andere schon beim Rascheln aufmerksam werden.

Neurobiologische Mechanismen

Jagdverhalten wird u. a. gesteuert durch:

  • Dopamin (Belohnungssystem: Erwartung & Kick beim Hetzen)

  • Bewegungsreize (flüchtende Tiere lösen automatisch Jagdmuster aus)

  • Erregungsniveau des Hundes

  • Kontextlernen (bestimmte Wege oder Felder werden mit Jagderfolg verknüpft)

Beutereize sind so stark belohnend, dass sie oft alle anderen Motivationen überlagern – inklusive Futter oder sozialer Bindung.


Lernpsychologische Grundlagen

Klassische Konditionierung

Geräusche, Gerüche oder Bewegungsreize werden schnell zu Auslösern für Jagdverhalten.
Beispiel: Rascheln → sofortige Erregung → Fixieren → Loslaufen.

Operantes Lernen

Jede Form von „Erfolg“ – selbst Orientieren oder Fixieren – verstärkt das Verhalten.
Der Hund lernt: „Wenn ich hingucke oder hinterher renne, fühlt sich das gut an.“

Soziales Lernen

Junge Hunde orientieren sich an Artgenossen oder Menschen. Jagdverhalten kann dadurch erlernt oder verstärkt werden.


Warum Jagdverhalten im Alltag zum Problem wird

  • Gefährdung von Wildtieren

  • Unfallrisiko für Hund und Menschen

  • erhebliches Stresspotenzial

  • fehlende Kontrolle

  • gesetzliche Vorgaben (Leinenpflicht, Wildschutz)


Sofort-Maßnahmen (Management)

Schleppleine

Die wichtigste Sicherheitsmaßnahme. Der Hund hat Bewegungsspielraum, aber kein Jagderfolg ist möglich.

Reizarme Wege wählen

Zunächst in Gebiete ausweichen, in denen keine oder wenig Wildtiere aktiv sind.

Rituale & Orientierung aufbauen

Rituale (Startsignal, Blickkontakt, kurze Aufgaben) reduzieren Reizsuche und fördern Bindung.

Artgerechte Auslastung

Nicht Action, sondern:

  • Nasenarbeit

  • ruhige Futtersuchspiele

  • Denksport

  • Impulskontrollübungen

  • Frustrationstoleranz

Dauer-Action stärkt Jagdmotivation häufig zusätzlich.


Möglicher  Trainingsaufbau

1. Erregungsniveau senken

Training funktioniert nur unterhalb der Reizschwelle.

2. Aufmerksamkeitssignal etablieren

Ein frühzeitiger Blick zum Menschen verhindert, dass die Sequenz startet.

3. Zuverlässigen Rückruf aufbauen

Mit Markertraining, hoher Belohnung und kleinschrittigem Üben.

4. Alternativverhalten anbieten

Beispiele:

  • Rückorientierung

  • Targetarbeit

  • Feldsuche

  • Stoppsignal

Diese Verhaltensketten setzen an, bevor der Hund losrennt.

5. Reiztraining in kontrollierter Umgebung

Mit Distanz, Dummies, Wildgeruch und später echten Wildreizen – immer so, dass der Hund ansprechbar bleibt.

6. Generalisieren

Training auf verschiedene Orte, Wildarten, Tageszeiten übertragen.


Häufige Irrtümer

„Ich will das Jagdverhalten abstellen.“

Das ist biologisch nicht möglich. Man kann nur steuern, kanalisieren und kontrollieren.

„Kastration hilft gegen Jagdverhalten.“

Jagdverhalten ist nicht hormonell gesteuert. Die Studienlage zeigt: Kastration hilft nicht.

„Er hört nicht, weil er mich nicht ernst nimmt.“

Jagdverhalten ist ein hochautomatisches System – kein Ungehorsam.


Fazit

Jagdverhalten ist ein natürlicher, genetisch verankerter Bestandteil des Hundeverhaltens.
Mit einem klar strukturierten Mix aus Management, Impulskontrolle, Alternativverhalten und kontrolliertem Reiztraining können Hunde lernen, trotz Wildreizen ansprechbar zu bleiben. Die Arbeit lohnt sich – für die Sicherheit deines Hundes, für den Naturschutz und für eure gemeinsame Beziehung.


Kostenfreies Erstgespräch

Wenn du Unterstützung beim Anti-Jagd-Training möchtest, melde dich gern für ein kostenloses Erstgespräch bei No Problem Dogs!

Hier Termin sichern: https://no-problem-dogs.de/kontakt/

Logo no problem, dogs

Hol dir Trainingstipps

Meld dich jetzt zum Newsletter an